Renaturierung von Liese, Maybach und Biesterbach im Rahmen der Umsetzung der EG-WRRL
Im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) gestaltet die Gemeinde Wadersloh in den kommenden Jahren verschiedenste Abschnitte der Gewässer Liese, Biesterbach, Bergwiesenbach und Kaltestrot um.
Viele Flüsse und Bäche wurden in der Vergangenheit stark verändert: Sie wurden begradigt, eingetieft oder mit Ufern aus Beton und Stein befestigt. Diese Eingriffe dienten vor allem der schnellen Entwässerung der benachbarten Flächen welche in der Vergangenheit regelmäßig zusammengelegt und begradigt wurden, um dessen Unterhaltung und Bewirtschaftung zu vereinfachen. Dabei gingen jedoch natürliche Strukturen verloren, die für ein gesundes Gewässersystem wichtig sind.
Mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verfolgt die Europäische Union seit dem Jahr 2000 das Ziel, alle Gewässer langfristig in einen guten chemischen und ökologischen Zustand zu versetzen sowie den Wasserhaushalt und den Hochwasserschutz zu verbessern. Die Renaturierung von Gewässern ist ein zentraler Baustein, um diese Ziele zu erreichen.
Renaturierung bedeutet, einem Gewässer wieder mehr Raum und natürliche Strukturen zu geben. Dazu gehören unter anderem:
die Aufweitung von Fluss- und Bachläufen für den Wasserrückhalt
die Wiederherstellung von natürlichen Ufern und Auen als Lebensraum und Überschwemmungsflächen
die Schaffung von abwechslungsreichen Strömungen und Tiefen für unterschiedlichen Lebensraumansprüche
die Beseitigung von Wanderhindernissen für Fische und andere Lebewesen um die ursprünglichen Laichplätze wieder erreichen zu können.
die Beschattung des Gewässerlaufes
Ziel ist es, dass das Gewässer wieder möglichst naturnah funktioniert – so, wie es sich ohne starke menschliche Eingriffe entwickeln würde.
Die Renaturierung von Gewässern bringt vielfältige positive Wirkungen für Umwelt, Klima und Gesellschaft mit sich:
Renaturierte Gewässer bieten viele Vorteile:
🌿 Mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen
Naturnahe Gewässer bieten Fischen, Insekten, Amphibien und Pflanzen vielfältige Lebensräume. Die biologische Vielfalt nimmt zu und stabile Ökosysteme entstehen.💧 Bessere Wasserqualität
Natürliche Strukturen helfen dabei, Schadstoffe abzubauen und das Wasser zu reinigen. Das kommt nicht nur der Natur, sondern auch dem Grundwasser zugute.🌊 Verbesserter Hochwasserschutz
Gewässer mit mehr Raum können bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen und langsamer abführen. Überflutungsflächen entlasten die Gewässer und verringern Hochwasserspitzen.🌡️ Anpassung an den Klimawandel
Beschattete, strukturreiche Gewässer erwärmen sich weniger stark und speichern Wasser länger. Das hilft, Trockenperioden und Hitze besser zu überstehen.🚶♀️ Erholung und Lebensqualität
Naturnahe Flüsse und Bäche sind attraktive Orte für Spaziergänge, Naturerlebnisse und Umweltbildung. Sie steigern die Lebensqualität vor Ort.
Verantwortung für eine nachhaltige Gewässerentwicklung
Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist eine langfristige Aufgabe von öffentlichem Interesse. Die Gemeinde Wadersloh leistet mit der Planung und Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und zur nachhaltigen Entwicklung der Umwelt in unserer Region – im Sinne heutiger und zukünftiger Generationen.
Aktuelle Maßnahmen der Gemeinde
Die Gemeinde setzt die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie schrittweise und in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden um. Ziel ist es, die ökologischen und chemische Defizite der Gewässer systematisch zu reduzieren und deren natürliche Funktionen nachhaltig zu stärken.
Aktuell werden mehrere Abschnitte an den Gewässern Liese, Biesterbach und Nordfelder Bach planerisch vorbereitet.
Umgesetzt wird aktuell eine Maßnahme am Maybach oberhalb von Diestedde welcher in die Liese mündet.
Die Umsetzung erfolgt unter Berücksichtigung wasserwirtschaftlicher, naturschutzfachlicher und landwirtschaftlicher Belange. Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Anlieger werden frühzeitig informiert und, soweit erforderlich, in den Planungsprozess einbezogen.
Übersicht der einzelnen Abschnitte
Planung
- Bearbeitete Fläche: ca. 3,6 ha
- Ortslage Wadersloh-Diestedde, oberstromig der Mündung des Maybachs in die Liese
- Der Bach verläuft heute begradigt zwischen den landwirtschaftlichen Nutzflächen
- Im Zuge der Maßnahme soll der Maybach wieder in das Taltief verlegt werden
- Es soll eine rund 30 m breite Sekundäraue (westlich des Wirtschaftsweges) als Entwicklungskorridor angelegt werden
- Durch Totholzeinbau soll die Gewässerentwicklung mit gefördert werden
- Der derzeitige Bachlauf wird verfüllt
- Im Übergang der Sekundäraue zum vorhandenen Geländeniveau werden durch Ausweisung von ca. 5 m breiten Gewässerrandstreifen Pufferzonen geschaffen
Planung
- Bearbeitete Fläche: ca. 2,6 ha
- Ortslage Wadersloh-Diestedde, nordwestlich der Ortschaft Diestedde und östlich der Bauernschaft Altendiestedde
- Der Bach verläuft heute begradigt zwischen den landwirtschaftlichen Nutzflächen
- Die strukturellen Defizite, bedingt durch den starken Ausbaugrad (Begradigung und Eintiefung des Gewässers, Sohl- und Uferverbau, fehlende Sohl- und Uferstrukturen, fehlende Gehölzstreifen), sollen im Zuge der Maßnahmenumsetzung weitgehend beseitigt werden.
- Zwischen dem neuen Verlauf und dem Altverlauf der Liese soll eine Sekundäraue als Entwicklungskorridor angelegt werden
- Durch Totholzeinbau soll die Gewässerentwicklung mit gefördert werden
Planung
- Bearbeitete Fläche: ca. 6.000 m2
- Ortslage Wadersloh-Diestedde, westlich der Oelder Straße
- Die Liese verläuft heute begradigt zwischen einer als Acker landwirtschaftlich genutzten Fläche auf der nördlichen Seite und einer forstwirtschaftlich genutzten Fläche auf der Südseite.
- Flächenverfügbarkeit besteht auf der Südseite.
- Im Zuge der Maßnahme soll die Liese auf die südliche Fläche in einem gewundenen Verlauf mit eigendynamischer Entwicklung ausweichen können.
- Durch Totholzeinbau soll die Gewässerentwicklung mit naturnahen Sohl- und Uferstrukturen gefördert werden. Auf der zurzeit abgeholzten forstwirtschaftlichen Fläche soll sich eine Sekundäraue entwickeln.
- Ein Stilgewässer soll auf der Fläche entstehen sowie ein bis zwei Bänken.
- Es steh ein ca. 20 -25 m breiter Grundstücksstreifen zur Verfügung.
Planung
Bearbeitete Fläche: ca. 2,5 ha
Ortslage Wadersloh- Diestedde - Wadersloh
Die Liese, hier auch Mühlenbach genannt, verläuft begradigt am Rand von Acker- und Grünlandflächen
Es steht ein ca. 18 bis 30 m breiter Entwicklungskorridor zur Verfügung
Durch Abflachen der nördlichen Uferböschung sowie durch Einbau von Totholz wird eine eigendynamische Entwicklung in Gang gesetzt und gefördert werden
Die vorhandenen Altrinnen im Wald werden, wenn möglich in den neuen Bachlauf integriert
Im Norden wird ein rund 5 m breiter Pufferstreifen zu den landwirtschaftlichen Flächen aus der Nutzung genommen
Im östlichen Teil wird der Einmündungsbereich des Boxelbaches durch Profilaufweitung aufgewertet und eine angrenzende Brachfläche als Weichholzaue entwickelt
Planung
- Bearbeitete Fläche: ca. 3,3 ha
- Die Maßnahmenfläche befindet sich am Rottbach in der Ortslage Wadersloh
- Der Rottbach verläuft begradigt zwischen Ackerflächen. Die gewässerbegleitenden Flächen sind derzeit im Rahmen von Agrar-Umweltmaßnahmen als Grünland extensiv genutzt
- Es steht ein ca. 80 - 90 m breiter Entwicklungskorridor zur Verfügung indem der Rottbach innerhalb einer großzügigen Sekundäraue neutrassiert wird
- Innerhalb der Strecke liegt ein Sohlabsturz mit Sohlgleite (Rampe), die vor rund 15 Jahren errichtet wurde. Die Rampe wird zurückgebaut und die Durchgängigkeit über Laufverlängerung hergestellt. Totholzelemente werden zur Strömungslenkung und zur Strukturanreicherung eingebaut. Ein von Süden einmündender Graben wird in die Sekundäraue entwässern.
- Der Pappelwald beim Gehöft sollte nach Möglichkeit in einen standorttypischen Auenwald umgebaut werden.
- Der nördliche Teil des Mühlenkolkes wird in Form eines Altarms angeschlossen. Der Kolk selber soll über eine Hochflutmulde nur bei höheren Abflüssen mit dem Rottbach verbunden sein.
Planung
- Bearbeitete Fläche: ca. 3,2 ha
- Wadersloh, westlich (Teil 1) und östlich (Teil 2) der Bundesstraße 58
- Die Liese verläuft heute begradigt mit Böschungssicherungen zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie teilweise durch ein kleines Waldstück
- Angrenzende Flächen sollen in Ausgleichsflächen umgewandelt werden
- Im Zuge der Maßnahme soll die Liese weitestgehend auf der nördlichen Seite in einem gewundenen Verlauf mit eigendynamischer Entwicklung ausweichen können.
- Durch Totholzeinbau soll die Gewässerentwicklung mit naturnahen Sohl- und Uferstrukturen gefördert werden
- Vorhandene Altrinnen sollen teilweise wieder angeschlossen werden